PPP: Frühlingsbericht aus Brodhead

Mai 2013, von Henry Parzefall. Nur noch ein paar Wochen verbleiben mir in den USA und langsam werde ich ein wenig nervös. Die letzten 3 Monate sind wirklich sehr schnell vergangen, was bestimmt damit zu tun hatte, dass ich viel unterwegs war.

 

Mit dem Show Choir hatte ich die Möglichkeit nach New York zu gehen und es war wirklich eines der Highlights meines Jahres. Wir waren um die 90 Leute und sind mit dem Bus von Brodhead, WI nach New York gefahren. 18 Stunden Bus war schon ziemlich lange, da erkennt man erst wie weit und groß dieses Land wirklich ist. Aber das Warten hat sich gelohnt, denn New York war einfach nur unglaublich! Wir haben eine Bustour gemacht und vieles gesehen. Da wir ein Show Choir sind ging natürlich alles ums Singen, Tanzen und Musikmachen. Deshalb hatten wir die Möglichkeit zwei Broadwayshows zu besuchen. „Peter and the Starcatcher“ (eine Vorgeschichte zu Peter Pan) und „The Phantom of the Opera“. Am nächsten Tag fanden wir dann ein wenig Zeit  den Times Square zu besichtigen und anschließend sind wir zur „Grand Central Station“ gefahren. Am letzten Tag machten wir eine Bootstour, schauten uns eine alte Kathedrale  an und besuchten die 9/11 Erinnerungsstätte. Es war wirklich ein emotionales aber auch tolles Erlebnis und ich habe viele nette Leute kennengelernt.

Ein anderes unvergessliches Erlebnis war ein Profieishockeyspiel in Chicago. Das war natürlich genial, da Eishockey eine meiner Lieblingssportarten ist. Wie ich in meinem letzten Bericht geschrieben habe, hatte ich ja schon die Möglichkeit zu einem Profifootballspiel zu gehen und muss sagen, dass mir das Hockeyspiel fast besser gefallen hat. Da ging es richtig ab und die Stimmung war super.

Letzte Woche bin ich mit meinem Musiklehrer zum Konzert des Orchesters der Universität in Madison gefahren. Das Orchester ist normalerweise eine Marching Band, die während der Footballsaison in der Halbzeit spielt und aus etwa 250 Leuten besteht. Alle 250 Musiker waren auf der Bühne. Das war ein „Hammer Sound“ für die Ohren. 

In der Schule läuft es wirklich super, aber ich muss auch sagen, dass die Schule in Deutschland um einiges schwerer ist. Hier gibt es aber sehr viele Aktivitäten die von der Schule unterstützt werden. Vor allem im Bereich Sport und Musik gibt es viele Angebote für die Schüler. Alles Aktivitäten, die richtig Spaß machen. Schade, dass es in Deutschland nicht so viele tolle Angebote in den Schulen für die Schüler gibt. Ich kann kaum glauben, dass mein Schuljahr schon fast vorbei ist, denn die amerikanischen Schüler hier haben schon ab Anfang Juni Ferien. 

Momentan mache ich nach der Schule Leichtathletik  (ich bin bei den Sprintern). Gestern haben  wir unseren ersten Wettkampf gewonnen. Wir haben durchschnittlich ein bis zwei Wettkämpfe pro Woche und manchmal müssen wir eine ziemlich weite Strecke mit dem Bus fahren.

Der Winter hier in Wisconsin war eisig kalt, viel kälter als in Deutschland. Wir haben bis vor ein paar Wochen noch nicht  einmal die 20 Grad Marke überschritten und hatten davor zwischen 10 und 15 Grad. Meine Gasteltern haben jedoch gesagt, dass der typische Winter hier nicht ganz so lange geht und es normalerweise ein bisschen früher warm wird. Aber bei euch ist  das Wetter ja auch nicht besser und es will nicht so richtig Frühling werden.

Neben meiner Präsentation über Deutschland in meiner Schule habe ich noch zu 3 anderen Gruppen gesprochen und über meine Heimat erzählt. Zwei der Gruppen waren eher ältere Leute, die jedoch unheimlich interessiert waren und zum Teil auch von ihren Erlebnissen bei ihrem Besuch in Deutschland erzählt haben bzw. alte Erinnerungen wiedererfahren haben. Die dritte Präsentation war vor einer 7. Klasse und es war wirklich lustig, was für Fragen die Kinder gestellt haben.  Zu sehen, wie schnell sie die Informationen über Deutschland aufnahmen hat mir sehr gefallen. Die Tatsache, dass ich so nahe bei der Schweiz und Frankreich wohne hat wirklich alle sehr erstaunt und interessiert. Auch ein Vergleich zwischen dem amerikanischem und deutschem Regierungs- und Schulsystem war ein wirklich gutes Gesprächsthema.

Wenn ich jetzt zurückblicke und mich daran erinnere, wie ich am  Anfang die Tage und Wochen gezählt habe, kann ich kaum glauben, wie schnell die Zeit vergangen ist. Ich hatte wirklich kein Problem mit Heimweh und jetzt fühlt es sich schon fast  total normal an hier zu sein. Umso schwerer wird es, wenn ich mich in ein paar Wochen verabschieden muss und meine Heimreise nach Deutschland antrete. Ich bin jetzt schon ein wenig nervös, weil der Abschied bestimmt sehr emotional und traurig sein wird. Auf der anderen Seite freue ich mich aber auch auf meine Familie und Freunde. Es ist wirklich ein hin und her der Gefühle und das ist es, was es für mich so unheimlich schwer macht.

Kommenden Samstag ist Prom, was sich mit unserem Abiball vergleichen lässt, auch wenn ich glaube, dass Prom hier in den Staaten ein wenig mehr gefeiert wird. Man geht essen, dann zum Ball und abschließend zu einer von der Schule organisierten Party. Es wird bestimmt lustig, weil viele meiner Freunde in meiner Gruppe sind.

Außerdem freue ich mich auch schon sehr auf Washington DC am Ende meines Austauschjahres. Ich werde dort die anderen PPPler treffen, die zum Teil auf der Vorbereitung in Weimar dabei waren und wir werden dann alle zusammen nach Deutschland fliegen. Wir werden ein paar Tage in Washington verbringen und jede Menge besichtigen. Ich freu mich schon sehr darauf, weil es die Hauptstadt der Vereinigten Staaten ist und somit jede Menge Politik und Geschichte vorhanden sein wird.

Alles in allem ist die Zeit seit Weihnachten einfach nur so vorbei geflogen und ich weiß nicht, ob ich schon bereit bin nach Hause zu gehen. Natürlich freue ich mich auf meine Familie und Freunde zuhause, aber es wird sicher schwer werden, mich von meiner Familie und meinen Freunden hier zu verabschieden. Ich habe so vieles über mich gelernt im Laufe des Jahres. Dinge, die mir bestimmt ein Leben lang hilfreich sein werden und kann sagen, dass ich alle diese persönlichen Erfahrungen nicht missen möchte.

In den restlichen Wochen möchte ich noch so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie und Freunden verbringen und einfach die verbleibenden Wochen genießen. Für meine Freunde und natürlich besonders  für meine Familie werde ich noch eine große Abschiedsfeier auf die Beine stellen.

 

Allerliebste Grüße aus Brodhead, WI

 

Henry

 

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