Meine Erfahrung in den USA - Philipp Graf im November 2015

Meine komplizierte Austausch Erfahrung: Ich sitze gerade in einem Park in der Mitte in Los Angeles in Little Tokyo, ich war gerade in Hollywood und wollte einen Freund treffen (was sich als nicht ganz so einfach erwies, denn gerade L.A. ist eine Autostadt und auch wenn man mit öffentlichen Verkehrsmitteln einiges erreichen kann, ist das Auto immer noch Haupttransportmittel). Da habe ich mich entschieden, dem Lärm der 10 Millionen Metropole etwas zu entgehen und mich zu entspannen. Ich muss allerdings zugeben, dass das nicht mein Alltag ist.

Meine Erfahrung in den USA - Philipp Graf im November 2015

Armin Schuster mit Philipp Graf

 Ich habe zunächst in Corona gewohnt. Dies liegt südlich von Los Angeles. Nach Schwierigkeiten mit meiner Gastfamilie bin ich zu einer neuen temporäre Gastfamilie umgezogen. Dies brachte allerdings auch einen schwierigen Schulwechsel mit sich. Dann lebte ich für einige Zeit in San Bernadino, einem Städtchen mit leider sehr hoher Kriminalitätsrate. Derzeit wohne ich aufgrund einiger Probleme, die in den letzten Wochen auftraten in Yucaipa, einer kleinen Stadt in den Bergen und einer vergleichsweise ländlichen Gegend von Kalifornien. Allerdings möchte ich anmerken, dass ich eine kleine ‘’Ausnahme’’ darstelle, da ein Austausch-Schüler normalerweise bei einer Familie permanent bleibt.

In meiner ersten Schule habe ich mich erfolgreich auf das Varsity (American) Football Team (das “Wettkampf-Team”, das Team das die Schule repräsentiert und in der entsprechenden Liga spielt) beworben. Dies bedeutete allerdings, dass ich jeden Tag nach der Schule, die bis um ca. 3 Uhr ging, mich noch bis um 6:30 im American Football Training abrackern musste. In meiner neuen Schule bin ich lediglich bis 2 Uhr, aber sobald im Frühling die Leichtathletik-Saison anfängt, werde ich auch dort einen großen Teil meiner Freizeit verbringen. Generell ist für die Schule Sport zu machen eine deutlich größere Ehre und Aufwand als in Deutschland. Tägliche Trainingseinheiten sind Normalzustand und man investiert vergleichsweise viel Zeit in das Schulteam. Allerdings ist all dies optional und es gibt auch für humanistisch oder anderweitig talentierte oder interessierte Schüler Interessengruppen und Clubs. Beispielweise den Literatur-Club, den Club der zukünftigen Krankenpfleger, das Orchester, Schauspielgruppe oder Clubs, in denen man Comics liest, Filme schaut oder einfach nur Eiscreme ausprobiert. Das mag überraschend für den deutschen Leser sein, doch für Amerikaner ist selbiges ganz normal. Für viele füllt die Schule hier den kompletten Tag. Lokale Vereine wie zum Beispiel Fußball Clubs, die eine komplette Stadt vertreten, sind eine Seltenheit.

Doch auch außerhalb der Schule und deren Aktivitäten gibt es vieles Neues zu entdecken: In Los Angeles, einer grandiosen und mit 10 Millionen (mit Umgebung fast 14 Millionen) Einwohnern besiedelte Stadt, gibt es unter anderem das beste mexikanische Essen außerhalb von Mexiko (was unter anderem geographisch bedingt ist) und exzellentes texanisches BBQ, sowie italienische Küche und frischen Fisch. Abgesehen davon genieße ich die zahlreichen Museen, die touristischen Zentren wie Malibu, Venice Beach oder den Santa Monica Pier, die Gastfreundschaft der Amerikaner sowie den ‘’West Coast Flair’’. Zwar sind die Schattenseiten wie die Gang-Aktivitäten und Obdachlose auch präsent und manchmal mehr als eindrücklich, aber dennoch überglitzert unter anderem Hollywood diese Schattenseiten gekonnt. Aber auch auf dem Land gibt es einiges zu tun und zu sehen. Mein persönlicher Favorit sind Rodeo oder County Fairs, welche ungefähr das Äquivalent zum Jahrmarkt (nur 30 mal größer) sind und unglaubliches kulinarisches, klassisches wie Zirkus oder die viel kritisierten ‘’Freakshows’’ bieten. Und neben all dem gibt es auch noch exzellentes Steak, das ich persönlich sehr gerne habe, da es oft von sehr authentischen Amerikanern mit sympathischen Südstaaten Akzent serviert wird. Ich freue mich jedes Mal über die Herzlichkeit und Freundlichkeit der Amerikaner, sowohl im Service als auch auf der Straße. Ein amerikanischer Freund hat, als ich mich dazu ausgesprochen habe, gemeint: „Als Gott die Länder erschaffen hat, hat er den Amerikanern etwas Intelligenz genommen und dafür ein breites Lächeln geschenkt.’’ Dies zeigt sehr gut den Humor der Amerikaner, die eben auch über sich selbst lachen können. Ebenfalls beeindruckte mich die kulturelle Vielfalt, die gerade in Südkalifornien herrscht: Japanisch, Chinesisch, Deutsch, Mexikanisch und vieles mehr ist hier vertreten. Ebenso wie ein schwuler vietnamesischer Mitbewohner, der in Florida aufgewachsen ist (er wohnt über mir) keine Ausnahme ist, sondern ganz normal. All das macht es hier zu einem angenehmen Aufenthalt, auch wenn es, wie im deutschen Alltag manchmal schlechte Tage gibt. Doch bei über 25 Grad im November kommt man da doch relativ leicht darüber hinweg.

Ich schicke herzliche Grüße nach Deutschland.

Philipp Graf

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