3. Bericht aus Fenton - Dezember

Bastian hat sein erstes Trimester an der High School erfolgreich abgeschlossen und verbringt Weihnachten mit seinen Gasteltern im warmen Texas. Das Weihnachtsfest ist ungewöhnlich. Silvester feiert er in New Orleans und entdeckt dort Alligator und Schildkrötensuppe auf der Speisekarte.

Nach einer etwas laengeren Pause will ich doch mal wieder berichten, wie es mir hier "drueben" geht. Ich habe mein erstes Trimester des Schuljahres erfolgreich abgeschlossen. Das laeuft hier eigentlich ziemlich aehnlich wie bei uns das Gesamtjahr ab, denn die Leistund waehrend des Kurses zaehlt etwa 80% und die Pruefung am Ende ca. 20%.

Hier kann man in einem Jahr eine unglaubliche Vielfalt an Faechern nehmen, da manche nur ueber ein Trimester gehen, und damit nach 3 Monaten abgeschlossen sind. Nun, da ein neues Trimester begonnen hat, habe ich viele neue Faecher gewaehlt, die meisten weniger zum Genuss und mehr, damit ich nach meiner Rueckreise in der deutschen Schule mithalten kann. Neue Kurse wie Chemie, Biologie und Franzoesisch beanspruchen dann doch etwas mehr Lernaufwand als die Kurse, die ich in vorher besuchte. Ausserdem faengt mit dem neuen Trimester in der Schule auch eine neue Phase in der Sportwelt an. Es ist der Uebergang zwischen Herbst- und Wintersportarten.Ich habe mich fuer den Winter fuer Schwimmen entschieden, was eher ungewoehnlich ist, da die meisten Footballspieler entweder Wrestling oder Powerlifting waehlen. Mit diesen Aenderungen, sowohl schulisch als auch sportlich fuehlt es sich schon fast wie ein Neuanfang an.

 

Weihnachten - Texas

 Da meine Gasteltern einen Sohn haben, der gluecklicherweise in Texas lebt, haben sie entschieden ihn ueber die Winterferien besuchen zu gehen. Fuer mich ging ein weiterer Wunsch in Erfuellung. Weniger dass wir aus dem schon kalten und verschneiten Michigan ins sonnige Texas reisen, viel mehr die Autofahrt von der kanadischen Grenze runter zum Golf von Mexiko. Wir starteten einen Tag bevor die Ferien begannen. Da die Autofahrt etwa 22 Stunden entspricht, entschieden wir uns auf dem Weg zu uebernachten. Nach etwa 17 Stunden Autofahrt, was dann doch etwas unspaektakulaerer war, als ich es mir vorgestellt hatte, haben wir in der Naehe von Jackson, Mississippi uebernachtet. Am naechsten Morgen mussten wir dann nur noch 5 Stunden fahren, um endlich anzukommen. Wir uebernachteten in einem Ferienhaus in der Naehe von Houston, Texas, wo mein Gastbruder und seine Familie lebt. Das Ferienhaus liegt auf einer kuenstlichen Insel, die mit Kanaelen durchzogen ist. Deshalb hatte unser Haus einen direkten Zugang zum Meer. Waehrend den Ferien haben wir viel geangelt, und einfach nur die Schoenheit dieses Ortes genossen. Mit meinem Gastbruder und der Familie sind wir jeden Abend essen gegangen, haben das Houston Space Center besucht, und er hat uns eine der Spezialitaeten von Texas gezeigt: Eine Tankstelle, die gleichzeitig ein "smokehouse" war. Hier gab es alle moeglichen geraeucherten Fleischsorten! Einfach genial. Allein schon vom Essen haben die Kleider gerochen, als waere man gerade an einem Lagerfeuer gesessen.

 Weihnachten war dieses Jahr etwas ungewohnt. Groesstenteils lag es wahrscheinlich daran, dass wir verreist sind. All die Geschenke, die wir normalerweise am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertags oeffnen wuerden, haben wir in den zwei Wochen vor Weihnachten zwischendurch geoeffnet. Anfaenglich hatte ich mich geweigert, weil das meiner Meinung nach Unglueck bringt, aber nach unzaehligen Versuchen meiner Gastfamilie, mich dazu zu bringen, hab ich schiesslich nachgegeben.

Der Weihnachtsbaum war extrem kitschig, organisiert nach keinerlei Farbschema, es wurde einfach alles aufgehaengt, was sich ueber die Jahre zusammengesammelt hat. Natuerlich war der Baum richtig gross, und viel wichtiger: unecht!

An Heiligabend waren wir bei meinem Gastbruder zu Besuch, seine Frau hat ein geniales Weihnachtsessen gezaubert, aber mit Ausnahme dessen war das alles. Keine Weihnachtslieder, und auch sonst wurde kein grossen wert auf beisammensein gelegt, ein Teil der Familie war auf der Couch und hat Fernseh geschaut, ein anderer Teil war in der Kueche und der Rest hat Billard gespielt! Ungewohnt, aber an sich auch ganz schoen, nur bei weitem nicht so festlich wie in Deutschland!

 Silvester - New Orleans

 Ueber Silvester sind wir nach New Orleans gefahren. Dort sind wir am Tag vor Silvester gegen 6 Uhr abends angekommen. Unser Hotel war direkt im French Quater, dem wohl bekanntesten Teil von New Orleans. Die Hauptstrasse, Bourbon Street, die sich meine Gastfamilie und ich als normale Einkaufsstrasse vorgestellt haben, schien im Endeffekt mehr wie die Reeperbahn in Hamburg zu sein. Trotzdem schien diese Strasse ueberraschend gute Restaurants zu haben, was wir natuerlich ausnutzten. Da New Orleans von Sumpflandschaften umgeben ist, gab es hier Alligator als Gericht. Auch Schildkroetensuppe stand auf der Speisekarte, was mir schon etwas Leid tat. Da sich die Dinge zu spaeterer Stunde anheizten, sind wir am ersten Abend zurueck ins Hotel gegangen, um den Abend ausklingen zu lassen. Am einzigsten vollen Tag, den wir hier verbrachten, haben wir eine der beruehmten Graebertouren gemacht. Hier hat New Orleans eine lange Geschichte, und besonderst interessant war es, da hier Voodoo sehr beliebt war und wahrscheinlich immernoch ist!

Da heute Silvester war, haben wir uns bis zu Mitternacht wachgehalten, was nicht so einfach war, da durch meine Minderjaehrigkeit die meisten Clubs, Casinos und Bars, in denen die meisten Leute die Zeit verbrachten, nicht zugaengig waren. Deshalb sind wir auf den Strassen hoch und herunter gelaufen. Gegen 12 sind war dann an den Fluss gegangen, der durch New Orleans fliesst, wo ein Feuerwerk stattfand!

Es war nichts spektakulaeres, ein verhaeltnissmaessig kleines Feuerwerk, aber wenn man bedenkt, dass bei uns einfach jeder sein eigenes kleines Feuerwerk macht, was zu einem grossen zusammenwaechst, gab es hier nur das von der Stadt organisierte.

Am naechsten Tag sind wir zurueck nach Michigan gefahren, wo am Tag danach fuer mich die Schule wieder anfing. Nun da ich wieder vollkommen in meinem Alltag bin, gibt es ansonsten nichts allzu interessantes zu erzaehlen!

 

Beste Gruesse aus Michigan und ein frohes neues Jahr an Alle,

 

Bastian

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