20.07.2015 Leon Gehri: Mein Leben in Amerika - letzter Teil

Ich kann immer noch nicht realisieren, dass mein Abenteuer, meine Erfahrung, meine Möglichkeit, mein Traum, meine Herausforderung, meine Reise und meine Leistung hier in Amerika zu Ende sind. Ein Abenteuer, auf dem ich viele Menschen kennengelernt habe, welche mich durch mein Austauschjahr begleitet haben, und eine Erfahrung, bei der ich eine neue Kultur und den "Amerikanischen Lifestyle" ergründen konnte. Ich habe gelernt, wie eine typische amerikanische Familie ihren Alltag verbringt und habe Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten feststellen können.

20.07.2015 Leon Gehri: Mein Leben in Amerika - letzter Teil

Leon Gehri im Arches Nationalpark

Als ich im vergangenen Jahr erfahren habe, dass Herr Schuster mir die Möglichkeit gibt, als Repräsentant von Deutschland ein Jahr in den USA zu verbringen, ging für mich ein Traum in Erfüllung, jedoch war es auch eine Herausforderung, bei der ich mich persönlich weiterentwickelt habe, dahingehend, dass ich ein anderes Bild von den USA, aber vor allem von der Welt bekommen habe. Ich habe gelernt, meine Familie und Freunde sowie mein Leben in Deutschland mehr wertzuschätzen und fühle mich wesentlich selbstständiger.

Während meines Austauschjahres bin ich auch viel gereist. Städte wie Chicago, Las Vegas, Nashville, Indianapolis, Washington D.C und New York, aber auch Landschaften wie den Grand Canyon, den Arches National Park und den Mississippi River, habe ich zu Gesicht bekommen. Eindrücke, die ich nie vergessen werde und Impressionen, welche mir die Diversität der USA, aber auch der Welt gezeigt haben, da ich z.B. noch nie in meinem Leben eine Wüste erlebt habe. Des Weiteren bin ich sehr stolz über meine Leistung in meiner Gastgemeinde, da ich in vielen Sportarten wie American Football, Schwimmen und Fußball teilgenommen habe, sowie in dem Musical „All Shook up“, ein Musical mit Elvis-Presley-Liedern und einer Geschichte, die in den 1960er Jahren spielt.

Auch in diversen Theaterstücken habe ich eine Leidenschaft für Theater entdeckt, welche ich sehr gerne in Deutschland fortführen möchte. In Romeo und Julia habe ich Paris spielen dürfen und in einem zweiten Stück, welches meine Theater-Klasse selbst geschrieben hat, habe ich sogar eine der Hauptrollen bekommen. Freiwilligen-Arbeit habe ich auch geleistet, an einem sog. Welcome Table, der Bedürftige in der Kirche mit Essen versorgt. Die Bedürftigen glücklich zu machen, hat mir dabei sehr viel Spaß gemacht.

Ich kann mich noch genau an die erste Woche in Plymouth erinnern. Es kommt mir so vor, als ob es gestern gewesen wäre. Es war damals sehr aufregend, das erste Mal mit meiner Gastfamilie Englisch zu reden. Allerdings muss ich sagen, dass ich mich von Anfang an mit allen sehr gut verstanden habe und ich mich jede Sekunde im gesamten Jahr wohlfühlen konnte. Ich hätte mir niemals vorstellen können eine so tiefe Verbindung aufzubauen. Ich weiß, dass ich jetzt an zwei Orte gehöre und ich ein zweites Zuhause habe.

Auch der erste Schultag und die ersten Freundschaften waren aufregend und haben Spaß gemacht. Ich bin einfach so dankbar, dass ich diese Amerikanische Erfahrung machen durfte. Vor allem Halloween, Thanksgiving, Christmas, New Years Eve und allgemein die Wintersaison waren eine sehr aufregende Zeit für mich. Durch die Feiertage habe ich sehr viele Verwandte meiner Gastfamilie kennengelernt und durch das Musical und das Schwimmen viele Freundschaften geschlossen. Zu dieser Zeit hat vor allem das Schwimmen enorm mein Leben verändert. Ich bin vor der Schule und nach der Schule geschwommen, hatte danach noch Musical Probe und bin dann, völlig erschöpft, um 9 Uhr schlafen gegangen, da ich am nächsten Tag um 5 Uhr morgens wieder aufstehen musste. Diese Zeit hat mich Disziplin gelehrt und ich habe gelernt, mit meiner Zeit besser umzugehen.

Im Frühjahr bin ich das erste Mal in den USA gereist und habe die Staaten Tennessee und Kentucky erkundet. Als Abschluss von den Frühlingsferien war ich mit meinem Chor in New York City, wo wir eine Aufführung hatten und die restlichen Tage als Touristen verbringen konnten.

Nach den Frühlingsferien, habe ich angefangen zu realisieren, dass nur noch ein paar Monate übrig sind. Deswegen habe ich sehr viel Zeit mit meinen Freunden verbracht, bin ins Kino gegangen, habe Fußball gespielt, ein Wochenende in Green Bay verbracht und so gut wie jedes Wochenende war ich bei einem Lagerfeuer. Das ist in Amerika so üblich, dass sich Freunde treffen und die Nacht vor einem Feuer verbringen. Als ich das letzte Mal durch die Plymouth High School gelaufen bin, war ich einerseits froh, da ich nun mehr Zeit mit meinen Freunden und meiner Familie verbringen konnte. Andererseits hat es mich auch ein wenig berührt, da ich hier sehr viel Zeit verbracht habe, sowohl in der Schule, als auch freizeittechnisch.

Kurz vor meiner Abreise, habe ich noch eine weitere Reise mit meiner Familie gemacht. Wir sind in den Westen geflogen. Genauer gesagt, nach Las Vegas. Eine sehr verrückte Stadt, mit sehr abstrakten Personen, die aber auch viel zu bieten hat und eine echt klasse Attraktion zum Besuchen ist. Einmal muss man Vegas eben gesehen haben, auch wenn ich noch nicht mein Glück, oder vielleicht sollte ich sagen Unglück, im Casino versuchen durfte. Danach haben wir uns ein Auto gemietet und haben einen Road Trip durch Nevada, Arizona und Utah gemacht. Einige Zwischenstopps haben wir hierbei am Grand Canyon und im Arches National Park eingelegt.

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Leon Gehri mit Gastfamilie im Grand Canyon

Nach unserer Reise hatte ich ungefähr noch eine Woche Zeit, bevor es nach Hause gehen sollte. Der Abschied von meiner Familie fiel mir wahnsinnig schwer. Ich habe eine so starke Verbindung mit ihnen aufgebaut und ich werde nie vergessen wie schön es war, gemeinsam ein Jahr lang mit ihnen gelebt zu haben, miteinander Zeit verbracht zu haben und gemeinsam Spaß zu haben.

Der Besuch, den jeder PPP’ler am Ende des Austauschjahres machen muss, nämlich nach Washington D.C, machte den Abschied leichter, da ich alte Bekannte aus Deutschland wieder getroffen habe. In Washington haben wir uns mit unseren Abgeordneten aus den jeweiligen Distrikten getroffen, in denen wir unser Austauschjahr verbracht haben. Wir führten ein Gespräch über unsere Erfahrungen und mit der Bitte, dass das CBYX Programm weiterhin vom Congress unterstützt werden sollte. Natürlich habe ich mich auch dafür bedankt, dass ich in Mr. Grothmans Distrikt mein Austauschjahr verbringen konnte.

Insgesamt betrachtet, muss ich sagen, dass ich ein absolut tolles, erfahrungsreiches, lebendiges, weiterentwickelndes, lenkendes und tiefgründiges Jahr hatte, welches meine Zukunft sehr beeinflussen wird. Ich werde mich selbst in 50 Jahren noch daran erinnern. Des Weiteren kann ich jedem nur empfehlen und jeden dazu ermuntern auch ein Jahr im Ausland zu verbringen. Selbst wenn es nicht während der Schulzeit ist, es gibt so viele Möglichkeiten Zeit in einem anderen Land und in einer anderen Kultur zu verbringen.

Für meine Zukunft plane ich nach dem Abitur noch einmal ins Ausland zu gehen. Jedoch weiß ich nicht, ob es ein soziales Jahr, Work and Travel, Backpacking oder ein Auslandssemester während meines Studiums wird.

Ein komplettes Jahr in einem Artikel zu reflektieren und zu resümieren ist einfach nicht möglich. Auch die Erfahrungen die ich gemacht habe, wird keiner genau verstehen können, wenn man nicht selbst in einer ähnlichen Haut gesteckt hat. Ein Auslandsjahr bringt wenig Negatives und umso mehr Positives. Deswegen ist es eine Motivation, Möglichkeit und Chance für jedermann. Wenn man sich im Vorfeld Gedanken über Heimweh, sich Wohlfühlen, Freunde finden und Sprachprobleme macht, dazu kann ich nur von meiner Erfahrung berichten und sagen, dass alles zu meistern ist. In der Sprache findet man sich schnell zurecht und Freunde findet man garantiert. Dazu kann ich den Tipp geben, dass man vielleicht einem Sportverein oder einem Club beitritt, denn dort findet man Jugendliche mit ähnlichen Interessen. Bei dem Heimweh und dem Wohlfühlen kommt es meiner Meinung nach darauf an, wie sehr man dazu fähig ist, sich an Veränderungen anzupassen und vor allem diese zu akzeptieren. Auch ich hatte Phasen, in denen ich mich gefragt habe warum die Amerikaner das schon wieder so machen. Doch dann habe ich mich wieder daran erinnert, dass es ein anderes Land mit anderer Mentalität und anderen Sitten ist. Ich habe mich der Situation angepasst, aber auch den Anderen erzählt wie es anders bei uns ist, da kommt dann auch die Rolle als Repräsentant wieder ins Spiel.

Es ist schwer für mich zu beschreiben, wie ich mich fühle, seit ich wieder in Deutschland bin - wieder in einer anderen Welt. In einem anderen Leben, mit anderen Menschen und einer anderen Kultur. Ich könnte nicht sagen welches Land ich besser finde, da können sich die Gemüter streiten. Es gibt einfach zu viele Vor- sowie Nachteile, sowohl für die USA als auch für Deutschland. Ich weiß, dass ich akzeptieren muss, wieder in meinem alten Leben zu sein, auch wenn ich mir wirklich sehr wünsche, wieder Zeit mit meiner amerikanischen Familie und meinen Freunden zu verbringen. Ich habe nun zwei Zuhause, und mein Herz hängt an zwei Orten. Und das wird sich auch nie in meinem gesamten Leben ändern.

Vielen Dank Herr Schuster, vielen Dank AFS, vielen Dank dem gesamten Bundestag und Congress die es mir möglich machten ein Abenteuer, eine Erfahrung, eine Möglichkeit, eine Herausforderung, eine Reise, eine Leistung und einen Traum gelebt und erbracht zu haben.


Mit freundlichen Grüßen
Leon Gehri
 

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