November 2011: 2. Bericht aus Fenton

Bastian hat sich langsam in Michigan eingelebt, ist aber immer noch sehr begeistert von seinen Erlebnissen in den USA. In seinem zweiten Bericht erklärt er uns die Tradition des Homecomings. Leider ist die Football-Saison jetzt vorbei, und er kann nicht mehr spielen. Dafür ist er zu Halloween mit Freunden durch die Nachbarschaft gezogen, um Süßes zu sammeln.

Mittlerweile ist viel passiert hier, wobei mir Sachen und Erlebnisse, die ich vor ein paar Wochen noch richtig cool gefunden haette, mehr und mehr als "normal" vorkommen. Fuehlt sich komisch, jedoch super gut an, denn ich denke ich habe mich jetzt langsam eingelebt.

- Homecoming

Das Wochenende vom 07.10-09.10 war unser Homecoming Wochenende. Homecoming wird mehr und mehr mit dem eigentlichen Ball verbunden, dabei ist Homecoming ein Football-Ereignis, bei dem alle ehemaligen Schueler einer Schule zurueckkehren, um das Footballspiel anzuschauen! Da man ueblicherweise ein Maedchen zum Homecoming ausfuehrt, hatte ich, obwohl es nach erst wenigen Schulwochen schwer war, ein Maedchen gefragt, ob sie mit mir zum Ball gehen will. Wir gingen jedoch nur als Freunde. Amerikanische Jungs nutzen den Ball meistens, um die Maedchen die sie moegen um eine Beziehung zu fragen.

Homecoming an sich laeuft wie folgt ab: Da bei uns am Freitag die Schule ausgefallen ist, hatten wir unsere pep-assembly am Donnerstag. In dieser kommt die ganze Schule zusammen, um das Footballteam fuer das kommende Spiel anzufeuern und sie "aufzupumpen".Ich als Footballspieler durfte dann mit dem ganzen Team einlaufen, dann wurden unsere Namen verlesen, es wurde wie ueblich applaudiert und geschrieen. Danach durften wir dann in die Menge auf die Baenke, wobei die Jahrgangsstufen getrennt von einander sassen. Dann wurden viele Wettkaempfe zwischen den Jahrgangsstufen ausgefochten, wie zum Beispiel ein Tanz-, Essens- oder Tauziehen-Wettbewerb, was den Schulgeist staerken soll. Und ich muss sagen, es hat sich richtig gut angefuehlt dabei zu sein! Alles laeuft auf das grosse Event, das Footballspiel, zu.

Am Freitag gegen 5 gab es eine grosse Parade, in der jede Jahrgangsstufe einen eigenen Wagen hatte, fast so wie die Wagen der Loerracher Fastnacht! Ausserdem sind die Maedchen und Jungen des Homecoming-Courts in Caprio's mitgefahren und haben sich der Menge presentiert! Der Homecoming Court besteht aus jeweils 2 Maedchen und Jungs der unteren Klassenstufen, und ausserdem 5 Paerchen aus der Abschlussklasse, also den Seniors. Diese dienen dazu, die komplette Jahrgangsstufe zu repraesentieren, und diese werden direkt von den Schuelern gewaehlt. Fuer die unteren 3 Stufen endet hier die Auswahl, doch aus den 5 Paerchen der Abschlussklasse kann nur ein Maedchen die Homecoming-Queen und nur ein Junge der Homecoming-King werden. Deshalb wird unter diesen 10 nochmals gewaehlt. Ich konnte diese Parade leider nicht mit anschauen, da ich in unserem Teamraum war, da wir uns auf das Footballspiel vorbereiten mussten.

Die Stimmung war etwas angespannter als sonst, jeder sass fuer sich, hoerte Musik oder richtete sein Trikot. Das Spiel lief an sich ziemlich gut ab, schon nach der ersten Haelfte waren wir in Fuehrung. Waehrend der Halbzeit wurde dann die Homecoming-Queen und der Homecoming-King bekanntgegeben, was ich leider auch nicht miterleben konnte. Wir haben letztendlich unser Spiel gewonnen, was sehr sehr wichtig fuer uns war, denn mit einem verlorenen Spiel waere der Ball am naechsten Tag nur halb so gut gewesen.

Am Samstag war dann Zeit zu feiern. Fuer alle, die nicht Football spielen, ist der Ball wahrscheinlich der groesste Teil vom Homecoming, und ich muss sagen, selbst fuer mich war das so viel aufregender als das eigentliche Spiel! Gegen 5 Uhr bin ich mit meinen Eltern zum Haus eines Freundes gefahren, um Bilder zu machen. Wie es sich gehoert hatte jeder Junge ein Anzug an und jedes Maedchen ein schoenes Kleid! Dann haben wir etwa eine Stunde Fotos gemacht, und mein Date und ich haben die Blumen ausgetauscht. Ich hatte ein Armband fuer sie, und sie hatte eine Blume fuer mich, die sie an meinen Blazer gesteckt hat. Danach sind wir in einer grossen Gruppe in einer Art Partybus zu einem Restaurant gefahren, wo wir unser Dinner hatten. Gegen acht Uhr sind wir dann zur Schule gefahren, wo der Ball war. Der Ball an sich, was soll ich sagen... Ich denke, es ist eigentlich wie eine ganz normale Disco, obwohl davor alles sehr formell ist und man immer noch seine schoenen Kleider an hat.

Ich hoffe, ich konnte erzaehlen, was Homecoming ist, natuerlich ist jede noch so genaue Beschreibung nicht annaehernd so gut, wie wenn man es selbst erlebt hat. Mir hat es sehr gut gefallen, und ich bin einmal mehr ueberrascht, wie gross der Schulgeist und der Zusammenhalt hier in den USA ist.

Homecoming war so ziemlich das einzigste groessere Event der letzten zwei Monate. Trotzdem wuerde ich gern ein wenig erzaehlen, was ich sonst so mache.

Nun ist die Footballsaison vorbei, und ich vermisse es sehr. Ich haette nie fuer ein besseres Team hoffen koennen. Wir wurden nicht Meister oder etwas wie das, aber selbst der Coach sagte, er hat selten Teams gesehn, die so eng verbunden sind. Ich denke einfach wenn man so viel Zeit mit den selben Leuten verbringt, gewoehnt man sich total an sie und mag sie einfach! Wir hatten 2 Stunden Training die Woche, ausserdem Teamdinner jeden Donnerstag Abend, dann natuerlich die Spiele jeden Freitag, und wir sehen uns jeden Tag in der Schule. Das ganze schweisst schon sehr zusammen. Da wir so viele Spiele gewonnen haben, sind wir in die Playoffs aufgestiegen, was eine Art Finalleague ist, bei der es nach dem Ausscheidungsverfahren ablaeuft. Leider haben wir unser erstes Spiel gegen ein ungeschlagenes Team gehabt, und somit leider auch verloren. Dennoch war unsere Saison so gut, dass wir den Schulrekord fuer die Punkte in einem Spiel und die Gesamtpunktzahl in einer Saison gebrochen haben!

Ich habe herausgefunden das Football den Jungs sehr viel bedeutet, und selbst mir ist es sehr ans Herz gewachsen. Football ist nicht nur das Spiel, beim Football geht es mehr darum, Teil eines Teams zu sein! Nach unserem letzten Spiel blieb daher kein Auge trocken, alle haben sich umarmt, selbst wenn manche der Spieler normal nicht sehr gut miteinender auskommen. Im Team zaehlen solche Kleinigkeiten nicht.

Nun da ich nach der Schule etwas Freizeit habe, gehe ich meistens mit einigen meiner Jungs in den Kraftraum der Schule um etwas zu trainieren. In ein oder zwei Wochen faengt fuer mich dann Schwimmen an, worauf ich mich auch schon sehr freue! Ausserdem unternehme ich jetzt auch haeufiger was mit meinen Freunden, wozu mir davor einfach die Zeit gefehlt hat.

Ein weiteres spannendes Ereigniss war unser Trip in einen der groessten Freizeitparks in Amerika, und eindeutig der groesste Park hier in der Gegend, Cedar Point. Wir mussten 3-4 Stunden fahren, bis wir dort waren, was hier in Amerika anscheinend kein grosses Problem ist. Der Park an sich ist auf einer Insel, und deshalb muss man erst etwas auf einer Bruecke fahren, um zu den Parkplaetzen zu kommen.

Der Park hatte richtig viele geniale Achterbahnen, doch wie man sich schon denken kann, muss man fuer die guten mindestens eine Stunde warten.

Die beruehmteste Achterbahn ist der Top Thrill Dragster, eine Achterbahn, die den Abschussmechanismus eines Flugzeugtraegers nutzt, um die Bahn zu starten. Wir hatten leider sehr viel Pech, denn nachdem wir etwa eine Stunde warten mussten, sassen wir endlich in der Bahn, doch dann fing es an zu regnen, deshalb mussten wir aussteigen und warten, bis der Regen vorbei war. Das positive war, dass wir im Trockenen waren, doch es ging sehr viel Zeit verloren, in der wir andere Bahnen fahren haetten koennen, denn nur diese war ausser Betrieb wegen zu grossem Risiko. Das Problem ist, dass die Schiene einfach nur gerade hoch und dann wieder gerade runter geht, und alles ist so konstruiert, dass die Bahn es garade so ueber die Spitze schafft. Nun da es nass war, waren sie nicht sicher, ob die Bahn es schaffen wuerde, also war ich schlussendlich froh, warten zu muessen, anstatt es nicht ueber die Spitze zu schaffen. Die Fahrt an sich war extrem kurz, doch so schnell, dass es einfach nur genial war!! Durch den langen Heimweg konnten wir nur noch zwei oder drei mehr Bahnen fahren, dann mussten wir uns auf den Weg machen.

- Halloween

Wie die Tradition es will, bin ich mit ein paar Freunden von Haus zu Haus gezogen um Suessigkeiten zu sammeln. Ich meine, mittlerweile ist es ja in Deutschland ziemlich aehnlich, jedoch ist hier die Altersgrenze etwas hoeher. In Deutschland waere ich wahrscheinlich zu alt, doch hier ist das ueberhaupt kein Problem. An sich ist es wie in Deutschland, doch natuerlich gibt es einige Unterschiede. Hier nimmt echt jede Familie teil, und die Leute lassen sich coole Sachen einfallen. Jeder dekoriert sein Haus und die Sachen, die sie verteilen, sind teilweise sehr kreativ. Wir haben Coladosen bekommen, und eine Familie hat sogar einen Grill aufgestellt und Hotdogs an alle verteilt.

Natuerlich konnten wir nicht einfach von Haus zu Haus laufen, einer meiner Freunde hat ein Golfkart seines Vaters genommen und wir sind von Tuer zu Tuer gefahren, was meiner Meinung nach etwas unnoetig, jedoch sehr lustig war. Manchmal war der Weg zurueck zur Strasse laenger als wenn wir einfach durch den Garten gelaufen waeren.

Das waren so ziemlich die Ereignisse der letzten zwei Monate, ich hoffe Sie haben nun eine kleine Vorstellung davon, was ich hier so erlebe.

Gruesse aus Michigan,

Bastian
 

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