12.12.2010 Vierter Bericht aus Cincinnati

und schon wieder ein Monat um… :D In der Zwischenzeit hab ich wieder ein paar neue Sachen über die amerikanische Kultur gelernt, die ich natürlich noch ergänzen muss:

  • Da man hier ja nichts anderes als English braucht, können die meisten auch nichts außer Englisch. Wenn die dann also mitbekommen, dass ich neben Englisch und Deutsch auch ein bisschen Französisch spreche, sind die meisten schon ziemlich beeindruckt, und wenn sie dann noch erfahren, dass ich auch noch Latein gelernt habe (von dem ich in diesen 4 Monaten bestimmt schon 2/3 wieder vergessen habe), sind sie völlig aus dem Häuschen. Hier fängt man nämlich in den meisten Schulen in der 8. Klasse oder später an, und man lernt höchstens eine Sprache. Allerdings auch mit einem anderen System als in DE. In Französisch z.B. schreiben wir zwar neue Wörter auf, aber wir müssen die nicht wirklich lernen. Und im Deutschunterricht lernen sie z.B. so spezifische Wörter wie Gaspedal, Kupplung, von denen ich behaupte, dass sie die nie brauchen werden. Aber es ist halt auch schwierig, Sprachen zu lehren, die die Schüler fast nie in hören bzw. sprechen müssen.
  • Falls ich das richtig umgerechnet habe, kostet 1 L Benzin hier um die 50 Eurocent.
  • Alles hier ist süß, aber Popcorn essen Amerikaner nur mit Salz.
  • Die Schule darf überhaupt nichts mit Religion verbinden. Wir machen in Multimedia z.B. gerade jeder eine Präsentation über Weihnachten und seine Bräuche in anderen Ländern, und da dürfen wir nicht einmal erwähnen, dass Weihnachten wegen Christi Geburt gefeiert wird.
  • Adventskränze und auch Adventskalender sind hier nicht so üblich, auch Nikolaus wird nur bei wenigen gefeiert. Ich habe aber von meiner Gastmutter einen Schokokalender bekommen. Dafür sind die meisten Häuser jetzt schon in voller Weihnachtsbeleuchtung und unser Fake-Tannenbaum steht auch schon mit voller Beleuchtung im Wohnzimmer.

 

Nun aber zu meinem Bericht:


Am zweiten Novemberwochenende war das Thanksgiving Camp-out der Pfadfinder (von denen mein Gastvater Gruppenleiter ist). Ich und Caroline, meine Gastschwester, und Lukas (der Schweizer) sind dort also am Samstagmorgen angekommen. Die meisten Kinder und Helfer haben schon am Freitag übernachtet. Das Wetter war zum Glück schön. Am Samstag war dann Kochtag für das abendliche Thanksgiving Dinner. Wir haben aber nicht nur gekocht, und hatten insgesamt einen sehr lustigen schönen Tag. Nach dem leckeren Essen am Abend gab’s dann ein unglaublich großes Lagerfeuer. Da wurden dann alle Fahnen verbrannt. Es ist nämlich so in Amerika, dass wenn eine Fahne alt ist oder ein Loch hat, nicht einfach weggeschmissen wird, sondern verbrannt werden muss. Und auch wenn eine Fahne auf den Boden fällt oder ihn nur berührt, muss sie verbrannt werden.

Am nächsten Tag gab’s dann noch Frühstück und dann war das WE auch schon wieder vorüber.
Und dann kam auch schon bald Thanksgiving. Dafür haben wir von Mittwoch bis Sonntag frei bekommen, das waren dann unsere Herbstferien. Am Donnerstag haben wir dann am Morgen ein paar Thanksgiving-Essenspakete für Familien verteilt, die sich das nicht leisten können und dann haben wir mit der Familie meiner Gastmutter in Kentucky gefeiert. Dort gab es Unmengen an Essen, und ich hatte sogar eine Schwarzwälder Kirschtorte gebacken. Die war ziemlich gut, aber nicht perfekt, da ich mit manchen Sachen ein bisschen improvisieren musste. Den Rest des Abends haben wir mit dem Kartenspiel Canasta verbracht, was sehr viel Spass gemacht hat. Mein Partner (ein Onkel) und ich haben allerdings verloren. Am Freitag haben wir den Abend mit der Familie meines Gastvaters verbracht. Thanksgiving hat sehr viel Spaß gemacht.


Am Montag war dann ein besonderes AFS-Event. Am Nachmittag sind wir zu Schülern der Wallnut Hills High School gekommen, und haben den Abend und die Nacht bei ihnen verbracht. Ich habe mich mit dem Mädchen, bei dem ich war, sehr gut verstanden. Am nächsten Tag, haben wir dann einen Tag an Wallnut Hills verbracht. Dafür durfte ich schon um 5.45 Uhr aufstehen, da wir schon um 7 Uhr dort ankamen. Wallnut Hills ist riesig. Die Schule hat mehr als 2000 Schüler, alle von den Klassen 9 bis 12, d.h. in einem Jahrgang sind mehr als 500 Schüler. Was mir auffiel war, dass an dieser Schule die Kids alle irgendwie unterschiedlich von den Deer Park Kids waren. Das liegt daran, dass die Schule Wallnut Hills, die einen sehr guten Ruf hat, Aufnahmetests hat, und dort nur College-orientierte Schüler hingehen, und in Deer Park High School jeder von Deer Park ist. Insgesamt war es sehr interessant, mal ’ne andere Schule zu erkunden; am nächsten Tag war ich allerdings auch wieder sehr froh im kleinen niedlichen Deer Park zu sein, wo jeder jeden kennt.

Diese Woche war wieder Spirit week, d.h. jeder Tag hat ein Motiv, nach dem man sich verkleiden soll, wie z.B. Zwillingstag oder Tiertag. Wenn im Frühling die nächste kommt, werde ich mal Bilder schicken.


Im Bowling mache ich grosse Fortschritte und mein High Score liegt jetzt bei 137. Ich hab schon zweimal beinahe ein Turkey (= 3 Strikes in der Reihe) geschafft.
 

Nächste Woche haben wir dann unser erstes Schachmatch, und am Freitag ist dann schon der letzte Schultag vor den Ferien.
 

Ich wünsche euch allen also wunderschöne Weihnachten und schon mal einen guten Rutsch ins Jahr 2011, falls ich davor nicht mehr zu einem weiteren Bericht komme.
 

Eure Laura
 

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